Young - und Oldtimer: A ktive und passive Sicherheit?

Heute:
Passive Sicherheit: In Ihrem neuen Wagen sorgen bei einem Unfall die Sicherheitsgurten mit Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer, eine Unzahl von Airbags, nachgiebige Pedale, spezielle Karosseriestrukturen, aktive Nackenstützen u.s.w. dafür, dass Unfälle möglichst gimpflich verlaufen.

Aktive Sicherheit: Ihr aktueller Wagen hat längst ein A.B.S, eine Servolenkung, eine Stabilitätskontrolle und vielleicht sogar eine Klimaanlage, sodass Sie in Bezug auf die aktive Sicherheit die Gewähr haben, selber in bester Verfassung zu sein und dass alle „Helferlein“ zur Verfügung stehen die Ihnen das Beherrschen des Fahrzeuges erleichtern.

Gestern:
Passive Sicherheit: Primitive Gurten waren erst ab 1971 auf dem Vordersitzen Personenwagen, ab 1981 auch auf den Hintersitzen vorgeschrieben. Vorher wurde der Fahrer bei einem Frontalunfall auf der fixen Lenksäule aufgespiesst und das Armaturenbrett bestand vielfach aus harten Materialien. Die ersten Gurte hatten noch keinen Aufrollmechanismus und es war nicht sichergestellt, dass man bei angelegten Gurten z.B. die Handbremse noch erreichen konnte. Nackenstützen wurden als reine Komfortausstattung angesehen. Airbags waren noch nicht erfunden.
Aktive Sicherheit: Man kannte den Ausdruck schlichtweg noch nicht.

Aber: Wann haben Sie das letzte Mal in einer Zeitung eine Unfallmeldung gelesen, bei der ein Oldtimer beteiligt war?
Man hätte bestimmt erwähnt, dass der Wagen noch nicht mit Gurten ausgestattet war oder dass es sich um einen Oldtimer gehandelt hat. Schliesslich erwähnt man heute ja sogar die Marken der beteiligen Fahrzeuge.

Dies hat nachvollziehbare Gründe:

  • Oldtimer haben kleine jährliche Kilometerleistungen.
  • Sie werden kaum bei widrigen Wetterverhältnissen oder bei Nacht gefahren.
  • Wer einen Liebhaberwagen fährt, hat kaum Zeitdruck, denn der Weg ist das Ziel.
  • Man wird eher einmal zu viel auf den Vortritt verzichten, wenn andere Verkehrsteilnehmer zu forsch heran “brettern“.
  • Oldtimer sind für andere Verkehrsteilnehmer wegen Ihrer „vergessenen“ Form wie Farbtupfer im Modelleinerlei und daher auffällig. Man wird deshalb weniger übersehen. .
  • Die gegenüber modernen Autos sehr „zahmen“ Fahrleistungen lassen kaum Lust auf Duelle aufkommen.
  • Zudem reduziert eine vorausschauende Fahrweise den Verschleiss und damit die Reparaturanfälligkeit, ein Umstand, den man automatisch bei der Fahrweise berücksichtigt.
  • Die eher niedertourig ausgelegten Motoren wirken gegenüber den heutigen Aggregaten sehr zäh und wenig spritzig und begünstigen eine ruhige Fahrweise.
  • Die schmalen Reifen neigen schon weit vor dem Erreichen der physikalischen Grenzen zum Wimmern und Jaulen und wirken so als Warneinrichtung.
  • Die damals üblichen Kugelumlauf- und Gemmerlenkungen ohne Unterstützung, verbunden mit einer entsprechenden Lenkgeometrie, vermitteln eine bessere Rückmeldung über den Strassenzustand, als die modernen Servolenkungen.
  • Wegen der schlechteren Lärmdämmung vermitteln alte Modelle schon bei niedrigen Geschwindigkeiten den Eindruck, man sei schnell unterwegs.
  • Das dichte Verkehrsaufkommen, die vielen neu erstellten Kreiselkreuzungen und andere bauliche Massnahmen sorgen heute dafür, dass die Reisegeschwindigkeiten ausserhalt der Autobahnen immer niedriger werden. Ein Umstand, der das Risiko, in einem Oldtimer ums Leben zu kommen, immer kleiner werden lässt.


Wie bei jeder Technik besteht auch bei Oldtimern das Risiko, dass die Nutzer oder unbeteiligte Personen zu Schaden kommen. Mit diesem Risiko leben wir alle mehr oder weniger bewusst. Jeder Raucher, jeder Motorradfahrer, ja auch als Fussgänger und Velofahrer sind wir wohl grösseren Risiken ausgesetzt, als Sie und Ihre Angehörigen in einem Liebhaberwagen auf dem Weg zu einer Veranstaltung.

Inzwischen werden regelmässig Fahrer-Weiterbildungskurse für Veteranen angeboten. Sie können so unter fachkundiger Führung erlernen, wie man auch mit alter Technik sicher unterwegs sein kann und wie sich Ihr Sammlerwagen unter extremen Bedingungen verhält. Solche Angebote finden Sie im Internet bei den Anbietern von Fahrtrainings und bei den Automobilclubs. Erspart Ihnen ein solcher Kurs in der Zukunft vielleicht nur ein einziges Schadenereignis hat er sich bereits bezahlt gemacht.

Ich wünsche Ihnen viele entspannte Kilometer am Steuer Ihres Wagens und gute, unfallfreie Fahrt.

Ihr

Peter Ernst
Automobiltechniker
Oldtimer-Corner

TOYOTA AG
Schürmattstrasse · 5745 Safenwil · peter.ernst@toyota.ch